Immer wieder hört man als Aquarianer von Mitmenschen den Vorwurf, seinem Hobby auf Kosten der Natur zu frönen, die Umwelt zu zerstören und seltene Tierarten auszurotten. Oft wollen gerade diese Menschen die Fische lieber in natürlicher Umgebung sehen, wie z. B. beim letzten Tauch- oder Schnorchelurlaub auf den Malediven. Diesem Vorurteil ist nur durch Aufklärung und Information zu begegnen. Allerdings sollte sich auch jeder Aquarianer Gedanken machen, wie er sein Hobby pflegt und ob er nicht doch mit seinem Verhalten dem Denken seiner kritischen Mitmenschen Vorschub leistet. Aber kaum ein Mensch verhält sich wohl auf allen Gebieten immer naturverträglich, sei es bei der Fortbewegung (Auto, Flugzeug), Sport (Mountainbiken, Skifahren), oder selbst bei der Ernährung (Thunfisch, Haifischflossensuppe, Massentierhaltung mit der Folge BSE).
Ich möchte hier nicht mit erhobenem Zeigefinger schulmeistern sondern einige Denkanstöße geben, wie Aquaristik, Tier- und Naturschutz durchaus sinnvoll miteinander verbunden werden können. Im Vordergrund steht hier die Meerwasseraquaristik, viele Punkte treffen aber auch auf Süßwasser zu. Ich gebe hier meine persönliche Meinung wieder und bin für weitere Tipps und Kritik jederzeit offen und dankbar!

Tauchtourismus:

Gerade hier sind die Trauminseln der Malediven leider ein gutes Beispiel, wie Riffe durch den Tourismus zerstört werden. Für Bauvorhaben und Reparaturen wird einfach Riffgestein herausgebrochen. Der Müll der Touristen wird gesammelt ... und im Meer versenkt. Ebenso werden die Abwässer der Ferienanlagen ins Meer geleitet. Wohin auch sonst damit? Allerdings hat man auch hier in den letzten Jahren das Problem erkannt und tut mehr zur Erhaltung der Riffe. Denn wenn diese zerstört sind, bleiben auch die Touristen aus.
Auch die australische Regierung hat aus diesem Grund etliche neue Naturschutzgesetze erlassen. Jeder unbedachte Ankerwurf der Tauchboote zerstört Quadratmeter lebender Riffe auf sehr lange Zeit. Darum gibt es z. B. am Great Barrier Reef fest installierte Ankerbojen, an denen die Tauchboote anlegen. Fische dürfen nur noch nach strengen Regeln von den Tauchführern gefüttert werden. Auf kleinen Inseln laufen Touristen über Stege damit sie den Boden nicht festtrampeln und so den empfindlichen Wasserhaushalt der Eilande stören.
Im Roten Meer bei Sharm el Sheikh wird auf elektrisch geladenen Drahtgittern ein künstlich gewachsenes Riff hochgezogen, um den Touristen die Unterwasserwelt nahe zu bringen und die natürlichen Riffe zu schonen. Ein Vorbild, das Schule machen sollte.
Oft gibt es eine einfache, umweltverträgliche Lösung solcher Probleme, die nur noch viel zu wenig bekannt ist. Hier ist Aufklärungsarbeit zu leisten und Kommunikation gefragt.

Auch als Tourist kann man zur Erhaltung der Riffe beitragen: Mehr dazu bald auf der Seite "Verhaltensregeln für Taucher und Schnorchler". Ebenso möchte ich auf "Reef Check Deutschland" hinweisen, wo sich auch Privatpersonen an Beobachtungen beteiligen können, die dann wissenschaftlich ausgewertet werden. Das ist eine private Initiative, die meines Erachtens unterstützt werden sollte, egal ob mit einem Link auf Eurer Homepage, Geldspenden oder auch aktivem Einsatz im Urlaub (z. B. eine Beschreibung über den Zustand der von Euch betauchten Riffe)! Schaut es Euch doch einfach mal an. Es gibt viele Möglichkeiten.

Fische als Ware:

Als Aquarianer muss man sich von einem Gedanken verabschieden: "Wenn ein Fisch stirbt, kauf ich halt einfach einen neuen, ist ja "nur" ein Fisch". Eine weit verbreitete Einstellung, der Klaus im Zoofachhandel leider zu oft begegnet ist.
Sicher gibt es auch im Zoofachhandel wie überall profitorientierte Geschäftsleute, die billig Massenware von skrupellosen Importeuren einkaufen und die Fische mit Medikamenten (z. B. Antibiotika) im Laden am Leben erhalten um einen hohen Umsatz zu erwirtschaften. Dass die Fische im medikamentfreien Wasser beim Kunden kaum mehr als 2-3 Wochen überleben interessiert sie nicht. Viele Fische werden leider immer noch mit Gift (Natriumcyanid, ein Gewebegift) oder Sprengstoff gefangen, was irreparable Organschäden verursacht und die gesamte Riffgemeinschaft auf Dauer stark schädigt. Solche Fänge und Massenexporte überleben nur ca. 10 % der so gefangenen Fische. Diese Methoden sind besonders aus Südostasien bekannt. Hier sind seriöse, vertrauenswürdige Zoofachhändler gefragt. Also beim Kauf ruhig nachfragen, wo die Fische herkommen, wie sie gefangen werden usw. Ein seriöser Händler wird hier gerne Auskunft geben.
Allerdings ist dies auch ein Problem von Angebot und Nachfrage: Wenn die Kunden bereit wären, für gesunde, umweltverträglich gefangene Fische höhere Preise zu zahlen, würden die Händler auch auf seriöse Importeure zurück greifen. Was nützt es, möglichst billig einen Fisch zu kaufen, der von vorne herein zum Tode verurteilt ist? Hier ist ein Umdenken aller Beteiligten gefragt, um z. B. oben genannte Fangmethoden zu unterbinden! Es ist logischerweise billiger Gift in das Wasser zu schütten und die Fische einfach einzusammeln, als z. B. mit viel Aufwand eine naturverträgliche Fangstation zu betreiben:

Fangstationen:

Dass Fischfang für die Aquaristik auch anders möglich ist, beweisen gut geführte Fangstationen. Meist werden Strandabschnitte mit dazugehörigen Riffen von der Regierung des jeweiligen Landes gepachtet oder gekauft. Diese Riffe werden als "Betriebskapital" gehegt und gepflegt. Tauchen, Schnorcheln und Fischen ist in diesen Gebieten streng verboten. Die Angestellten kennen "ihre" Tiere im Riff, wissen genau, wo welche Arten zu finden sind und wie viel sie wegfangen dürfen ohne den Bestand zu gefährden. Ausgewachsene Tiere werden in Ruhe gelassen und sorgen für Nachwuchs. Ist der Mindestbestand beim Fangen erreicht, werden diese Arten für einige Zeit nicht mehr exportiert.
Gut geführte Fangstationen liefern auf Bestellung, es werden nur die Tierarten geliefert, die auch geordert wurden, keine "Blindfänge". Denn wer kauft schon einen 30 cm großen Kaiserfisch, der bei einem Giftfang auch mit eingesammelt wird. Meist geht er irgendwo ein und fehlt im Riff dann zur Erhaltung der Art. Auch die "Ausfallquote" während des Transportes wird auf diese Weise auf ein Minimum reduziert. Dies gilt natürlich für alle Riffbewohner, auch für niedere Tiere.
Die hier arbeitenden Angestellten sind meist Einheimische, die eine gute Einnahmequelle für ihre Familie gefunden haben. Sie wundern sich zwar, warum die "Weißen" Fische in Glasbecken geben und sie nur ansehen, anstatt sie auf den Grill zu legen. Aber sie leben davon besser als früher, entwickeln Umweltbewusstsein und lernen, wie sie die Natur für sich selbst nutzen können, ohne sie zu zerstören. Das ist auch eine Art von Entwicklungshilfe in den Ländern der dritten Welt und so werden intakte, artenreiche Riffe erhalten. Naturschutz pur - und das nur durch die Aquaristik!

Fische im Aquarium:

Bevor Fische angeschafft werden muss sich der Aquarianer Gedanken machen, welche Fischarten zusammen gehalten werden können, welche Bedürfnisse sie an Wasserqualität, Salzgehalt usw. haben, damit die Tiere auch überleben und er lange Freude an ihnen hat. Die meisten Fische im Handel sind Jungfische und wachsen oft noch beträchtlich. Vor dem Kauf muss man sich also auch über die "Endgröße" informieren, damit im Lauf der Zeit das Becken nicht zu klein wird. Manchmal kann eben eine spezielle Art im geplanten Becken nicht gepflegt werden und man muss der Fische zuliebe darauf verzichten. Auf der Seite Fischfamilien bei Meerwasserfischen habe ich z. B. Besonderheiten der beliebtesten Fische mit Hinweisen auf weiterführende Literatur beschrieben.
Viele Arten von Riffbewohnern werden von Aquarianern im heimischen Becken bereits nachgezüchtet. Diese Nachzuchten werden weitergegeben an Händler und Privatpersonen. Zu finden sind sie bei Aquaristikvereinen, Anzeigen in Fachzeitschriften oder immer öfter auch im Internet bei verschiedenen Nachzuchtbörsen und bei Onlineangeboten von Händlern, die sich auf den Verkauf von Nachzuchten spezialisiert haben. Diese Tiere müssen nicht importiert werden und das hat viele Vorteile. Sie haben keine langen Transportzeiten hinter sich, sind robuster und gehen meist auch schon an Ersatzfutter, was automatisch das Überleben im neuen Aquarium erleichtert.
Dass keine geschützten Arten verkauft und gehalten werden sollen, ist eigentlich selbstverständlich. Ohne Herkunftsnachweis (Cites-Papiere) ist in solchen Fällen mit sehr hohen Geldstrafen zu rechnen. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe!

Private Webseiten von Aquarianern stellen Erfahrungsberichte zu den unterschiedlichsten Gebieten der Aquaristik zur Verfügung. Neben ihren Shopangeboten geben fortschrittliche Zoofachhändler im Internet Tipps und Informationen zur Aquaristik weiter.
Erfahrene Aquarianer geben Einsteigern bei Problemen gerne Auskunft. Besonders das Internet eignet sich hierzu optimal. In verschiedenen Foren werden Erfahrungen ohne großen Zeitaufwand ausgetauscht und Probleme erörtert.
Einige interessante Links:
Meerwasserforum (Aquaristik-Systemberatung)
Meerwasserforum (Korallenriff.de)
Süßwasserforum (Aquaristik-Systemberatung)

Leider kann man sich als Aquarianer bei der Behandlung verschiedener Fischkrankheiten nur auf Erfahrungen anderer Aquarianer und den Zoofachhandel bzw. Aquaristikfirmen bei der Auswahl der Medikamente stützen. Wünschenswert wären deshalb meines Erachtens nach mehr niedergelassene Tierärzte, die sich auch bei der Behandlung von Fischen auskennen. Gerade Meerwasserfische erreichen oft im Aquarium ein beträchtliches Alter und wer einen Fisch schon jahrelang pflegt und ihn nun an einer Krankheit hilflos dahinsiechen sieht, empfindet durchaus wie ein Hundebesitzer, dem sein seit Jahren treuer Begleiter wegstirbt.

Letztendlich helfen Aquarianer auch der Wissenschaft bei der Erforschung verschiedener Arten. Erkenntnisse und Beobachtungen bei Verhalten und Fortpflanzung im Aquarium können teilweise durchaus auf das Leben im Meer übertragen werden und helfen bei der Arterhaltung in der Natur.


zurück | Seitenanfang