In allen Zonen der Weltmeere kommt die Familie Scorpenidae vor. Laut Dr. R. Patzner ("Meerwasser
Atlas Band 6", Dr. Robert A. Patzner/Dr. Horst Moosleitner, Mergus-Verlag Melle) handelt es sich um eine sehr umfangreiche Familie (70 Gattungen
mit über 300 Arten), die zusätzlich in Unterfamilien eingeteilt wird. Da sich die Arten dieser Familie aufgrund ihrer Giftigkeit nur sehr bedingt
zur Aquarienhaltung eignen, möchte ich hier nur die Unterfamilie Scorpaeninae, die eigentlichen Skorpionsfische, die Unterfamilie Synanceinae,
die Steinfische, und die Unterfamilie Pteroinae, die Feuerfische, behandeln.
Die Fische leben bis auf einige Ausnahmen bodenständig und haben dadurch
eine mehr oder weniger zurückgebildete Schwimmblase. Die skurrile Körperform
mit zum Teil fetzenartig geformten, lang ausgezogenen Flossen und die besonders
bei den Feuerfischen leuchtende Farbe machen diese Fische für Taucher und
Schnorchler interessant. Allerdings macht die Tarnfärbung vieler Arten,
z. B. die Steinfische, sie für diese auch gefährlich.
Die Körpergröße der einzelnen Arten bewegt sich je nach Art
zwischen 9 und 40 cm.
Unterfamilie Scorpaeninae (eigentliche Skorpionsfische):
Gattungen Scorpaena, Scorpaenodes, Scorpaenopsis, Sebastapistes (Drachenköpfe):
Die meist bunt gefleckten Drachenköpfe finden sich auch in gemäßigten Breiten. Die Farbskala erstreckt sich von Rot-, Rosa- und Orangetönen bis braun, grün, schwarz und weiß. In manchen Ländern werden einige Arten als Speisefische gezüchtet.
Gattungen Taenianotus, Ablabys und Rhinopias (Schaukelfische):
Die relativ kleinen Arten dieser Gattung mit blattartig geformten Körper sitzen lauernd auf dem Untergrund und bewegen sich zur Tarnung sanft mit der Strömung.
Unterfamilie Synanceinae (Steinfische):
Gattung Synanceia:
Der gefährlichste Vertreter der Familie, der Echte Steinfisch (Synanceia
verrucosa), ist ein Meister der Tarnung und für Schnorchler und Taucher
auf den ersten Blick kaum auszumachen. Seine Flossenstacheln sind äußerst
giftig. Nach dem Stich treten unerträgliche Schmerzen und Schwellungen
auf, zudem starkes Schwitzen, Fieberanfälle, Atemprobleme, Herzklopfen,
Krämpfe, Lähmungen und Schockzustände. Je nach Ort des Einstiches
kann dieser auch zum Tod führen. Das Neurotoxin enthält Eiweiß
und ist deshalb hitzeunbeständig. Als Erste Hilfe bietet sich daher heißes
Wasser, bzw. heiße Kompressen evtl. mit verdünntem Kaliumpermanganat
auf die Einstichstelle an. Zur Unterstützung des Kreislaufs werden Adrenalin,
Kortison und Herzmittel vom Arzt (!) verabreicht. Es gibt ein Antitoxin, das
aus speziell dafür gefangenen Steinfischen hergestellt wird.
Unterfamilie Pteroinae (Feuerfische) :
Gattung Pterois:
Der wohl bekannteste Vertreter der Familie ist der Rotfeuerfisch, Pterois
volitans. Der rot/weiß gestreifte Körper mit den langen, manchmal
mit "Fetzen" behängten Strahlen der Rückenflosse und den fächerartigen
Brustflossen bietet dem Taucher und Schnorchler einen imposanten Anblick.
Als Nachtjäger verstecken sich die Fische tagsüber meist in Höhlen
oder unter Überhängen. Da kann es schon passieren, dass plötzlich
ein Rotfeuerfisch direkt vor der Tauchermaske eines Schnorchlers auftaucht.
Obwohl die Tiere ruhig im Wasser stehen und plump wirken, können sie,
in die Enge getrieben, kurzzeitig eine erstaunliche Geschwindigkeit erreichen
(vergl. auch
Schnorchelbericht / Rotes Meer).
Weitere Arten der Gattung Pterois sind P. radiata (Strahlen-Feuerfisch) und
P. antennata (Antennen-Feuerfisch).
Vertreter dieser Gattung werden relativ häufig im Zoofachhandel angeboten.
Natürlich sind auch sie giftig!
Gattung Dendrochirus:
Auch die Zwergfeuerfische sind Nachtjäger mit Streifenfärbung in
Rot, Gelb, Schwarz und Weiß.
Besonderheit:
Grundsätzlich sind die harten Flossenstrahlen der Rückenflossen ALLER Vertreter dieser Fischfamilie mit Giftdrüsen versehen. Der giftigste Vertreter ist der Echte Steinfisch (s. o.). Durch die sehr gute Tarnung sind sie für Taucher und Schnorchler nur schwer zu erkennen und daher gefährlich. Im Roten Meer sind wir Rotfeuerfischen in nur knietiefem Wasser begegnet. Ohne Bedrohung greifen diese Tiere nicht an, meist passieren Unfälle, wenn Menschen auf die lauernden Fische treten oder sie sonst berühren und diese sich dann bedroht fühlen. Dies gilt auch für die Aquarienhaltung.
Ernährung:
Viele Arten sind Nachtjäger und ruhen tagsüber in ihrem Versteck,
andere Arten jagen auch tagsüber. Als Räuber ernähren sie sich
je nach Art von Fischen und Krebstieren. Mit dem riesigen Maul können
sie einen so starken Sog erzeugen, dass der vorbeischwimmende Fisch regelrecht
eingesaugt wird. Dabei können einige Arten Fische fressen, die fast so
groß wie sie selbst sind.
Die Fische fressen nur bewegliche Nahrung. Die Fütterung im Aquarium
besteht deshalb aus lebenden Futterfischen, aber mit der Zeit gewöhnen
sich die Tiere auch an "totes" Futter, solange es im Wasser treibt.
Bei einigen Arten ist Kannibalismus beobachtet worden.
Fortpflanzung:
Einige Gattungen sind lebend gebärend. Das Ablaichen der anderen Arten erfolgt meist nachts. Die Eipakete schwimmen meist unter der Wasseroberfläche, wo die Larven schlüpfen und sich zu Jungfischen entwickeln. Nachzucht im heimischen Aquarium ist nicht bekannt, obwohl schon Tiere in Becken abgelaicht haben.
Obwohl die Haltung dieser Tiere im Aquarium nicht besonders schwierig ist,
sollte sie aufgrund der Gefährlichkeit gut überlegt werden. Bei
Arbeiten im Becken ist Vorsicht oberstes Gebot. Eine Verletzung, wenn auch
nicht tödlich, kann bei anfälligen, kreislauflabilen Personen doch
zu erheblichen Komplikationen führen. Kann man dem wunderschönen
Anblick der Exemplare im Zoofachhandel nicht widerstehen, sollte man sich
doch zumindest über Verhalten, Erste Hilfe und Gegenmaßnahmen im
Fall einer Verletzung gründlich informieren. Diese Fische sind nichts
für Anfänger!
Auch die Vergesellschaftung mit anderen Fischen ist problematisch. Die räuberischen
Fische fressen alle kleineren Fische und Krebstiere. Also nur mit gleich großen
oder größeren Fischen zusammen pflegen! Da die Fische passiv leben
sollten sie auch nur mit ruhigen Mitbewohnern vergesellschaftet werden.
Bei der Beckeneinrichtung sollte auf genügend Versteckmöglichkeiten
geachtet werden. Obwohl Skorpionsfische nicht aggressiv sind, wird trotzdem
nur Einzelhaltung empfohlen.
Literaturempfehlung zur Vertiefung des Themas, hieraus habe ich auch die
Zahlenangaben übernommen:
"Meerwasser Atlas
Band 6", Dr. Robert A. Patzner/Dr. Horst Moosleitner, Mergus-Verlag Melle
"Fischführer Südostasien" Helmut Debelius/Rudie H. Kuiter, 1994,
Tetra-Verlag, Melle
"Fischführer Indischer Ozean", Helmut Debelius, 1993, Tetra-Verlag, Melle.
