Vorkommen/Größe:
In den tropischen Meeren rund um die Welt ist die Familie der Balistidae,
der Drückerfische, zu finden. Laut Debelius ("Fischführer Indischer
Ozean", 1993, Tetra-Verlag, Melle) sind 12 Gattungen mit ca. 40 Arten bekannt.
In der Literatur ist auch eine Zuordnung als Unterfamilie der Familie Monacanthidae,
der Feilenfische, nachzulesen. Tatsächlich ist die enge Verwandtschaft
nicht zu leugnen. Beide Familien weisen eine ähnliche Form auf, einen
rhombenförmigen Körper, wobei alleine der Kopf ca. ein Drittel einnimmt.
Auch die Färbung ist bei den Drückern außergewöhnlich.
Sehr beliebt und oft im Handel zu sehen ist der Leopard-Drücker. Die
obere Hälfte des Fisches schwarz gefärbt mit gelbem "Leopardenmuster",
die Unterseite schwarz mit großen weißen Flecken. Auch die Picasso-Drücker
sind mit ihren geometrischen Mustern sehr auffällig. Ansonsten sind noch
alle möglichen Farben und Muster zu finden.
Mit einer Körperlänge von ca. 20 cm bis zu 75 cm beim Riesen-Drücker
brauchen diese Tiere größere Aquarien mit viel Schwimmraum.
Da Drücker zum Schlafen und Flüchten auf passende Verstecke angewiesen
sind, leben sie standorttreu und sind revierbildend.
Gattungen:
Gattung Balistoides:
Zu dieser Gattung gehört der schon erwähnte Leopard-Drücker, Balistiodes conspicillum (im Handel auch niger). In der Jugend zeigt sich dieser Fisch ganz schwarz mit großen weißen Flecken. Erst im Lauf der Zeit bildet sich am Rücken die attraktive Leopardenmusterung aus. Aufgrund der endgültigen Größe von ca. 50 cm und der stark ausgeprägten Aggressivität gegen andere Fische und auch gegen den Aquarianer ist von einem Kauf abzuraten. Allerdings wird der in der Natur eher seltene Fisch häufig im Fachhandel angeboten, wohl wegen seiner umwerfenden Musterung.
Gattung Rhinecanthus:
Die schon erwähnten Picasso-Drücker. Die wunderschöne Zeichnung und annehmbare Endgröße von ca. 25 -30 cm machen sie zu beliebten Aquarienfischen. Unser Pablo war ein eher zurückhaltendes und ruhiges Exemplar. Leider ist er durch seine Neugier einem Unfall mit einer Pumpe zum Opfer gefallen.
Gattung Odonus:
Odonus niger, der Rotmeer-Drücker, fällt auf durch seine roten Zähne, die Musterung in verschiedenen Blautönen und die lyraförmige Schwanzflosse. Auch diese Art ist häufig im Handel.
Besonderheit:
Diese Besonderheit findet man bei den Drückern an der Rückenflosse.
Der erste der drei Strahlen ist kräftig ausgebildet und dient in der
Versteckhöhle zum "Festklemmen" des Fisches mit dem Kopf voran. Er kann
dadurch nicht am Schwanz aus der Höhle gezogen werden. Die speziell geformte
Brustflosse dient als Gegenhalt. Erst wenn durch einen Mechanismus der Strahl
wieder zurück geklappt wird, löst sich der Fisch aus der Verankerung
und kann die Höhle verlassen. Beim Schwimmen ist die erste Rückenflosse
meist in einer Mulde am Körper verborgen und kaum zu sehen. Größere
Exemplare können durch dieses Verhalten im Aquarium auch die Dekoration
zum Einsturz bringen!
Wie die Lippfische schwimmen auch die Drückerfische meist nur mit Flossenbewegungen.
Die besonders geformten Rücken- und Afterflossen treiben den Fischkörper
mit Wellenbewegungen voran. Nur wenn es pressiert, bei Flucht oder Verteidigung
des Reviers z. B., wird auch der steif gebaute Körper und die Schwanzflosse
zum Antrieb benutzt, was den Fisch sehr schnell macht.
Ernährung:
Mit den vielen kleinen vorstehenden Zähnen sind Drücker in der
Lage, hartschalige Beute zu knacken. So gehören Muscheln, Schnecken,
Krebse, Garnelen, aber auch Korallen zu ihrer Lieblingsnahrung. Sie wagen
sich sogar an Seeigel, die sie mit einem Trick überlisten, indem sie diese
umdrehen und von unten angreifen. Schon Jacques Cousteau hat mit Drückern
Experimente gemacht und Seeigel unter eine Glasglocke gesetzt. Nach einiger
Zeit haben die Drücker gelernt, die Glasglocke umzuwerfen um an die Beute
zu kommen. Daher ist diesen Fischen durchaus eine gewisse Intelligenz nachzusagen.
Auch Debelius weist in dem Band "Fischführer Indischer Ozean", 1993,
Tetra-Verlag, Melle, auf die Lernfähigkeit der Drückerfische hin.
Im Aquarium sollten Drücker abwechslungsreich mit Frostfutter wie Mysis,
Artemia usw. ernährt werden. Auch Muschelfleisch, Krebsfleisch, Schnecken,
Lebendfutter und vieles mehr werden gerne genommen. Eine Vergesellschaftung
mit Krebstieren, Korallen und ähnlichen Beutetieren verbietet sich bei
diesem Speisezettel von selbst.
Fortpflanzung:
Bei den Drückern ist hauptsächlich Haremsbildung zu finden. Mehrere
Weibchen leben im großen Territorium eines Männchens. Das Weibchen
baut ein Nest in einer Bodenmulde und bewacht später auch das Gelege.
Wie aggressiv die Tiere gegenüber Eindringlingen sind, haben wir am eigenen
Leib im Roten
Meer erfahren. Die Balz und Eiablage ist wie bei vielen Fischen auch
bei den Drückern vom Mondzyklus abhängig. Die Larven treiben nach
dem Schlüpfen frei im Plankton bis sie mit entsprechendem Alter zur normalen
Lebensweise übergehen.
Eine Zucht dieser Fische ist wegen der Aggressivität auch untereinander
nicht möglich, da nur einzelne Tiere gehalten werden können.
Literaturempfehlung zur Vertiefung des Themas, hieraus habe ich auch die
Zahlenangaben übernommen:
"Meerwasser Atlas
Band 6", Dr. Robert A. Patzner/Dr. Horst Moosleitner, Mergus-Verlag Melle
"Fischführer Südostasien" Helmut Debelius/Rudie H. Kuiter, 1994,
Tetra-Verlag, Melle
"Fischführer Indischer Ozean", Helmut Debelius, 1993, Tetra-Verlag, Melle
Zur Vertiefung des Themas ist besonders der "Meerwasser-Atlas" Band 6 zu empfehlen!
